Joomla: Wie ist das mit der Kommunikation?

Das für mich zentrale Thema im Rahmen dieses Projektes war und ist die Kommunikation.

Keine Angst vor fremden Sprachen

Joomla ist ein internationales Projekt mit aktiven Mitgliedern aus aller Herren Ländern. Die gemeinsame Sprache ist zwangsläufig Englisch. Mein Englisch war schon in der Schule nicht besonders gut. Als ich begann, mich an dem Projekt zu beteiligen, habe ich für jeden Satz ewig gebraucht. Ich habe mir stets viele Gedanken über korrekte Formulierungen gemacht und nicht selten gut Englisch sprechende Freunde genervt, mir doch zu helfen. Irgendwann war dieser Aufwand jedoch nicht mehr zu rechtfertigen. Ich musste mich auf meine Fähigkeiten verlassen und hoffen, dass man mich versteht. Schließlich und endlich hat das besser geklappt, als ich zu Beginn erwartet hatte. Ich habe eine Menge gelernt und kann nur alle, die sich beteiligen wollen, dazu animieren, die Scheu vor der fremden Sprache abzulegen.

Schwierig war es jedoch immer dann, wenn es um spitzfindige Diskussionen ging. In meiner Muttersprache gelingt es mir durchaus, mit Argumenten zu überzeugen und diese dann rhetorisch zu untermauern. Auf Englisch ist mir dies im Moment leider noch nicht so möglich.

Hier würde ich mir von Muttersprachlern wünschen, dass sie ein wenig mehr Rücksicht darauf nehmen und auch, dass sie auf rhetorische Mittel verzichten, weil die argumentative Auseinandersetzung sonst einfach eine ungleiche wird.

Andere Länder andere Sitten

Kommunikation hat allerdings auch eine nicht zu unterschätzende, kulturelle Komponente. In Deutschland ist es völlig normal, seinem Kollegen zu sagen: „Das ist total falsch, was Du da machst“. Das nimmt man nicht persönlich, sondern versucht gemeinsam, das Problem zu lösen. Meine Erfahrung ist jedoch, dass diese direkte Art der Kritik in manchen Kulturkreisen für Missmut sorgt und unangenehm aufstößt.

Auf der anderen Seite wundert es uns Deutsche, dass die Amerikaner ständig loben. “Well done” und “great work”. Für uns ist es völlig normal, unsere Arbeit so gut zu machen, wie wir können. In dem Moment, wo man sich solche Unterschiede bewusst macht, sind die größten Probleme schon aus der Welt geschafft. Wichtig ist, dass man offen füreinander ist und versucht, ein wenig zu erspüren, wo es vielleicht Probleme geben könnte.

Kommunikation ist individuell

Raymond, der Entwickler von fetchmail, hat das schon 1996 in einem Aufsatz über die open source Entwicklung geschrieben. Dieser Aufsatz ist trotz seines hohen Alters immer noch aktuell. Das erste seiner Statements lautet: Jede gute Software beginnt mit den Sehnsüchten seiner Entwickler. Immer dann, wenn es um Sehnsüchte geht, geht es auch um Emotionen.

Die treibenden Gefühle in der open source Entwicklung sind in der Regel die Leidenschaft und die Begeisterung des Einzelnen. Fließen diese Emotionen in sachliche Diskussionen ein, kann es durchaus schwierig werden. Man ist so in der eigenen Gefühlswelt verstrickt, dass es schwer fällt, noch offen für die Emotionen des anderen zu sein.

In einem solchen Fall hilft es manchmal, einfach einen Schritt zurückzutreten und zu versuchen, die Motivation des anderen wahrzunehmen und aus dem Ergebnis vielleicht eine Lösung zu entwickeln, die allen Beteiligten gerecht wird.

Grundvoraussetzung dafür ist, dass man einander ernst nimmt. Oftmals kann es hilfreich sein, sich erst einmal der eigenen Motive klar zu werden und sie gegenüber den anderen Beteiligten deutlich zu kommunizieren.

Dabei macht der Ton die Musik, denn wirklich gute Argumente werden auch dann gehört, wenn der sprachliche Ausdruck nicht ganz optimal ist.

Artikel auf Englisch und Kommentare aus der Community.