WAI ARIA: Eine Zusammenfassung meines neuen Azubis Nassir Amakran

Nassir Amakran

WAI (Web Accessibility Inititative) ist eine Instanz, die sich für den Aufbau und die Entwicklung eines barrierefreien Web einsetzt und gehört zum World Wide Web Consortium (W3C).

Das W3C ist eine internationale Vereinigung, die Webstandards weiterentwickelt und sich Themen widmet wie Internationalisierung, Mobile Web und vor allem dem Themengebiet der Barrierefreiheit.

Barrierefreiheit bedeutet in diesem Zusammenhang, dass Webseiten so aufgebaut werden, dass sie jeder nutzen und lesen kann. Zusätzlich ist zu erwähnen, dass das W3C nicht legitimiert ist, gesetzlich verbindliche Standards zu bestimmen. Das W3C beschränkt sich vielmehr darauf Empfehlungen herauszugeben.

Die Barrierefreiheit von Webseiten hängt von verschiedenen Elementen ab. Deshalb teilt die WAI ihr Leistungsspektrum in drei grobe Blöcke ein. Da wäre zum einen der Bereich, der sich mit dem Inhalt einer Website beschäftigt (WCAG2.0 und WAI-ARIA), dann der Bereich, der sich mit den Programmen befasst, welche barrierefreie Webseiten erstellen ( ATAG) und einem dritten Bereich der sich mit Browsern und assistiven Technologien befasst.

Um barrierefreie Webinhalte gestalten zu können, bestimmen WCAG2.0 (Web Content Accessibility Guidelines2.0) und WAI ARIA ( Accessible Rich Internet Applications), die Richtlinien für dieses Fundament. Mehr als sein Vorgänger WCAG 1.0 ( aus dem Jahr 1999) fokussiert sich das in 2008 veröffentlichte WCAG2.0 stärker auf barrierefreie HTML-Inhalte. Das WCAG2.0 trägt umfangreiche Informationen, die pyramidenartig aufgebaut sind und umgreift vier Ebenen an Informationen.

Die vier Prinzipien lauten :

  1. wahrnehmbar
  2. bedienbar
  3. verständlich
  4. robust

Sie sind den 12 Richtlinien zugeordnet, welche die Grundregeln für die Erstellung barrierefreier Webinhalte bieten. Die 12 Richtlinien der WCAG2.0 werden weiter unterteilt in ca.61 Erfolgskriterien. Diese werden dann drei verschiedenen Konformitätsstufen zugeordnet (A, AA oder AAA). Hierzu werden zahlreiche Techniken geboten, welche die Mindestanforderungen für die drei Konformitätsstufen beschreiben. 74 weitere Techniken beschreiben Verstöße gegen Erfolgskriterien und sind somit ergänzende Dokumente, die informativen Charakter haben.

ATAG2.0 ( Authoring Tool Accessibility Guidelines) Dokumente sind in erster Linie für Entwickler von Authoring Werkzeugen gedacht und ein Teil der Zugänglichkeitsrichtlinien, einschließlich der WCAG2.0. Es definiert, wie Authoring Werkzeuge Webentwicklern helfen sollen, Webinhalte zu erzeugen, die zugänglich sind und sich WCAG2.0 anpassen. Sie erklären auch, wie man Authoring Werkzeuge zugänglich macht, sodass Leute mit Behinderungen diese Werkzeuge verwenden können.

Die UAAG (User Agent Accessibility Guidelines) Dokumente sind dagegen für Entwickler von WWW-Browsern, Mediaspieler, assistiere Technologien und andere Benutzeragenten. Die Dokumente erklären, wie man Benutzeragenten zugänglich für Menschen mit Behinderungen fertigt, um die Zugänglichkeit zum Webinhalt zu vergrößern.

Hierbei spielt besonders ARIA eine bedeutende Rolle um die Barrierefreiheit zukünftig durchzusetzen. ARIA wurde 2010 veröffentlicht und ist damit der jüngste Teil der WAI. ARIA (Accessbility Rich Internet Applications) definiert eine Spezifikation (einen Entwurf), welcher in erster Linie dazu dient Menschen zu helfen die assistierenden Technologien (z.B Screenreader,) verwenden. So können Informationen von Webseiten (Web-Inhalte und Web-Anwendungen) benutzerfreundlich vermittelt werden. WAI-ARIA ist eine sematische Erweiterungen für HTML (eig. für AJAX). Das bedeutet dass der Quellcode von HTML- Seiten mit bestimmten Anweisungen erweitert wird, damit auch assistierende Technologien diese Seiten lesen und verarbeiten können.

Die Spezifikation stellt eine Ontologie der Rollen, Zustände und Eigenschaften, um Elemente der Benutzeroberfläche zu definieren und dadurch die Zugänglichkeit und Interoperabilität (bedeutet: Zusammenarbeit von verschiedenen Techniken) von Web-Inhalten und Anwendungen zu verbessern.

ARIA- Spezifikationen bestehen aus drei Bauelementen: Landmark Roles, Unterstützung von emulierten Bedienelementen und Live Regions. Unter Landmark Roles kann man so etwas wie Orientierungspunkte auf Webseiten verstehen. Diese Landmark Roles können von Browsern und assistierenden Technologien besser verstanden werden, da sie alle Seitenbereich einer HTML-Seite (Navigation, Header, Footer) bezeichnen und markieren.

Außerdem können emulierte Elemente durch Rollen (zur Beschreibung der Funktion), Tastaturnavigation (für alle HTML-Elemente über das tabindex-Attribut) und Status&Eigenschaften (als Info für assistierende Technologien) barrierefrei gemacht werden. Damit assistierende Technologien von Veränderungen und dynmaischen Uploads auf Teilen der Webseite informiert werden, hat die ARIA sogenannte Live Regions eingeführt, die mit Hilfe eines Attributes beschreiben, dass diese Region dynamisch verändert werden kann. So können Screenreader automatisch bemerken, ob neue Inhalte auf dynamischen Websites geladen worden sind, ohne dass man extra dorthin navigieren muss.

Vielen Menschen mit körperlichen Einschränkungen ist der Zugang zum Internet verwehrt, da sie bei der Erstellung von Webseiten nicht berücksichtigt wurden. Selbstverständliche Dinge wie das Benutzen einer Maus oder Lesen von Webseiten sind für manche Menschen nicht zu vollbringen und müssen deshalb benutzerfreundlicher und individueller gestaltet werden. Aus diesem Grund setzt sich WAI bewusst für ein barrierefreies Webdesign ein, damit Menschen mit einer Behinderung nicht vom Informations- und Kommunikationsnetz ausgeschlossen werden. Besonders die demographische Struktur in Deutschland zwingt Webdesigner in Zukunft vor allem WAI-ARIA auszubauen und zu verbessern. Auch wenn WAI-ARIA eine sehr junge Technologie ist und in einigen Punkten verbessert werden muss, ist sie jedoch durchaus ein Mehrwert für unsere heutige Gesellschaft.

Quellen

http://www.einfach-barrierefrei.net/verstehen/standards/wai.html
http://2bweb.de/lib/pdf/20090922-DAISY-2009-Neue-Standards-des-W3C.pdf
http://www.der-auftritt.de/wissen/allgemeines/450-mein-vortrag-html5-und-wai-aria.html
http://www.slidefinder.net/N/Neue_Standards_W3C_WCAG20_HTML/hellbusch__standards_des_w3c/19629166