agiles Arbeiten

Woran der agile Prozess in der Webentwicklung
scheitern kann, aber nicht muss!

Seit über 20 Jahren baue ich Websites. In dieser Zeit haben sich die Art, der Umfang, aber auch die Herangehensweise an Webprojekte erheblich verändert. Mit dem Einsatz von Content-Management-Systemen ist der agile Entwicklungsprozess auch im Webdesign zunehmend in der Fokus geraten. Inhaltliche Struktur, Gestaltung und Technik werden am lebenden Objekt gemeinsam von allen Projektbeteiligten entwickelt.

Dieses Vorgehen hat sehr viel Vorteile und macht - wenn alles gut läuft - sehr viel Spaß. Alle Beteiligten sind zu jeder Zeit auf dem gleichen Stand - fachfremde Beteiligte können die Entwicklungsschritte praktisch nachvollziehen und Ergebnisse ihrer Entscheidungen zeitnah verfolgen.

Die entwickelte Nutzerführung kann aktiv nachverfolgt und erlebt werden. Gerade wenn es um gestalterische Fragen geht, ist der Wow-Effekt meist sehr groß. Die Entwicklungszeit verkürzt sich oft dramatisch. In vielen meiner Projekte funktioniert dieses Vorgehen ganz wunderbar.

Es gibt aber auch projektbezogene Rahmenbedingungen, die den agilen Ansatz scheitern lassen.

Im agilen Manifest werden die Grundregeln der agilen Zusammenarbeit beschrieben. Ich habe mir hier jene Punkte rausgepickt und eigenständig interpretiert, die meiner Erfahrung nach in besonderem Maß für das Scheitern agilen Arbeitens verantwortlich sind.

  1. Motivierte bzw. nicht-motivierte Mitarbeiter
  2. nachhaltiges Arbeiten in einem konstantem Tempo
  3. Technische Exzellenz
  4. Kommunikation untereinander

Motivierte Mitarbeiter

Motivation ist hinter jeder menschlichen Handlung der treibende Faktor. Motivierten Menschen fällt Ihre Arbeit leicht, sie haben Freude daran und sind so zwangsläufig effektiver und kreativer. Je motivierter ein Team, desto effektiver ist die Zusammenarbeit und desto besser ist zwangsläufig das Ergebnis. In Teams gibt es immer wieder Beteiligte, deren Motivation sich deutlich von anderen Teammitgliedern unterscheidet. Ihre Leistungsbereitschaft ist geringer und Ihre Arbeitsleistung weniger effektiv. (Warum das so ist, würde hier den Rahmen sprengen) Je größer ein Team, desto besser kann die fehlende Motivation einzelner ausgeglichen werden. In kleinen Teams können Projekte an der fehlenden Motivation und Einsatzbereitschaft einzelner Teammitglieder scheitern.

Nachhaltiges Arbeiten in einem konstanten Tempo

Konstantes Tempo setzt voraus, dass alle wesentlichen Projektbeteiligten im Rahmen des Projektzeitrahmens über ein ähnliches Zeitkontingent verfügen und dieses möglichst effektiv nutzen. Wenn der Zeiteinsatz und die Effektivität  ( was leistet der Einzelne in der ihm zur Verfügung stehenden Zeit?)  Einzelner deutlich geringer ist, als der anderer Beteiligter kommt es zwangsläufig zu Konflikten. Es entwickelt sich ein Klima von Antreibern und Hinterherläufern.

Technische Exzellenz

Agiles Arbeiten ist immer interdisziplinäres Arbeiten und setzt ausreichende Kompetenz bei allen Beteiligten voraus. Hat ein Team jedoch keinen homogenen Exzellenzlevel, kommt es zwangsläufig zu Schwierigkeiten. Tritt fehlende Kompetenz auf Seiten einzelner Mitarbeiter zusammen auf mit mangelnder Bereitschaft, neue Dinge lernen zu wollen, oder offenen mit diesem fehlendem Wissen umgehen, belastet das das Projekt zusätzlich.

Miteinander Reden - Offene und zeitnahe Kommunikation

Jeder Einzelne muss dem anderen Projektbeteiligten erklären können, warum und mit welcher Zielsetzung er bestimmte Dinge innerhalb des Projekts umgesetzt hat. Gleichzeitig sollte jeder offen für konstruktive Kritik und Feedback sein. Nichts ist in Stein gemeißelt – agile Projekte wachsen an dem bereitwillig geteilten Wissen aller Projektbeteiligten. Ist eine offene Kommunikation nicht möglich, ist das Projekt zum Scheitern verurteilt.

Fazit

Um effektiv agil arbeiten zu können, braucht es vertrauensvolle und wertschätzende Rahmenbedingungen und ein homogenes, motiviertes, professionelles Team, das zeitlich verlässlich, intensiv und eng miteinander arbeiten kann.