Gedanken über Designprozesse und Nutzergenerationen.

Heute surft die erste Generation im Netz, für die Computer - und somit auch das Web - von Beginn an eine Selbstverständlichkeit waren. Müssen wir „Alten“ jetzt umdenken?

Einer der wichtigsten Aspekte innerhalb von Webdesignprozessen ist es, herauszufinden, welches Ziel potenzielle User verfolgen. Welche Motivation haben sie, von uns gestaltete Seiten zu besuchen und wie kann man sie visuell und technisch dabei unterstützen. Die Technik wird immer interaktiver - oft ist es ein Kommunikationsprozess zwischen Anwender und Webanwendung.

Gerade bei komplexen Anwendungen sind technisch unterschiedliche Tasks, (einzelne Teilschritte) abzuarbeiten, um das eigentliche Ziel zu erreichen. Diese Tasks müssen in sich logisch und ohne großen Aufwand abarbeitbar sein.

Hinter den Anwendungen steht in der Regel eine mehr oder weniger aufwendige Technik. Diese Technik folgt bestimmten Regeln, die je nach Wahl der Plattform, der Programmiersprache und der Serverumgebung von unterschiedlicher Art sein können.

Diese Basis bezeichnet man als das sogenannte Development Model. Die visuelle Gestaltung, das Gesicht der Anwendung als Represantation Model. Die Aufgabe des Represantation Models ist es, eine Verbindung zwischen den User-Zielen und dem technischen Hintergrund zu schaffen. Sie ist die Schnittstelle, die ein Funktionieren der Anwendung erst möglich macht. Je näher das Representation–Model an den Erwartungen des Benutzers ist, desto besser.

Bei der Entwicklung der Oberfläche hört man von der technischen Seite oft, der User sei dumm oder bemühe sich nicht, die Anwendung zu verstehen. Das stimmt in der Regel nicht. Dem User fehlt auf der einen Seite der technische Hintergrund, um die implementierte Logik zu verstehen und auf der anderen Seite die notwendige Zeit – denn er ist mit seiner Kernarbeit voll ausgelastet.

Webanwendungen müssen sich an der Motivation, dem Ziel und den gewohnten Verhaltensweisen des Users orientieren.

Und hier spannt sich der Bogen zu der neuen Generation. Sind die Erwartungen, Ziele und gewohnten Verhaltensweisen andere, als die der ersten Generation der Internetnutzer?

Beobachtet man diese Generation im Netz fällt eine starke Nutzung von Youtube, Twitter, Facebook und Studi/Schüler-VZ auf.

All diese Webseiten zeichnen sich dadurch aus, dass Sie einen großen Unterhaltungswert bieten. Freizeit wird im Netz verbracht. Dies ist ein deutliches Unterscheidungsmerkmal zur ersten Generation der Internetnutzer, die eher auf der Jagd mach Informationen sind und sich den neuen Unterhaltungsangeboten nur zögerlich nähern und wenn, dann immer zielgerichtet und deutlich kritischer.

Aber was bedeutet das für unsere Arbeit im Netz? Braucht die neue Generation verdaubarere, unterhaltsamere Häppchen? Twitter-Meldungen sind kurz und knapp, dürfen nur eine stark eingeschränkte Anzahl 140 Zeichen enthalten und reduzieren dadurch die dargebotene Information auf das Wesentliche.

Hat die SPD die Zeichen der Zeit erkannt? Sie verlinkt auf Ihre Website zu YouTube, Twitter und CO, um so junge Wähler in ihrer Freizeit zu erreichen.

Der Informationsgehalt solcher Meldungen ist in der Regel gering und für mich gerade bei der Wahl einer politischen Partei zu oberflächlich, aber ich bin ja auch ne ‚Alte’.

Die neue Generation der Internetnutzer entscheidet sich vor allem durch zwei wesentliche Merkmale von den Pionieren.

  1. Sie sind jung und befinden sich somit noch in der Phase der Erfahrungssammlung und Selbstfindung
  2. Sie sind mit dem Computer und dem Internet aufgewachsen und nutzen es selbstverständlich.

Der zweite Punkt führt sicherlich zu einer stärkeren Akzeptanz technischer Neuerungen. Während sich Pioniere noch fragen, ob die Installation eines benötigten Plugins zum Ansehen eines Videos „gefährlich „ ist, wird diese Generation es einfach tun.

Auch diese noch „junge“ Generation wird sich weiterentwickeln und in verschiedene Nutzertypen splitten (wenn sie es nicht schon getan hat).

Es wird reine Konsumenten, vom Funtyp geben, die sich nur für unterhaltende Inhalte, wie Videos, Games etc. interessieren und denen es völlig egal ist, wie das Ganze technisch funktioniert.

Ein Teil wird sich mit Hilfe des Netzes organisieren und private oder berufliche Kontakte pflegen. Diese Nutzer sind Mitglied in bestimmten Communities und nutzen den google Kalender. Die Gruppe der Aktivisten wird das Netz mit Informationen füttern, während Jäger und Sammler immer auf der Suche nach aktuellen Informationen sind.

Aus all diesen Typen werden sich Mischtypen entwickeln, im Berufleben Jäger und Sammler, in der Freizeit Funtyp.

Eins haben sie jedoch gemeinsam: Das Netz ist ein selbstverständliche Bestandteil ihres Lebens geworden ist und es funktioniert. Websites mit technischen, visuellen und strukturellen Mängeln werden weniger leicht akzeptiert.