Das Ehrenamt: Warum Open-Source-Governance an ihre Grenzen stößt
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- Kategorie: Joomla
Hinter jedem erfolgreichen Open-Source-Projekt steht eine Organisation, die den rechtlichen, finanziellen und strategischen Rahmen sichert. Führung im Ehrenamt steht heute unter Druck.

Jedes große Open-Source-Projekt benötigt eine Struktur – sei es eine Foundation oder eine NPO wie OSM bei Joomla! Diese Gremien haben viele Aufgaben, so sichern sie Markenrechte, verwalten Budgets und bilden die Schnittstelle zu Sponsoren. Das Problem: Während die technische Entwicklung oft dezentral und agil abläuft, ist die Governance-Arbeit (Vorstand, Sekretariat, Schatzmeisterei) hochgradig konzentriert und oft zeitintensiv.
Ein Erfahrungsbericht
Nach meiner eigenen Amtszeit als Secretary bei Open Source Matters, die nun zu Ende geht, kann ich Bilanz ziehen: Wer diese strategischen Rollen innerhalb einer Organisation wie OSM wirklich ernst nimmt und etwas bewegen will, setzt sehr viel persönliche Zeit ein. Mein herzlicher Dank gilt all jenen, die dies jeden Tag tun.
Da wir fast alle berufstätig sind, versuchen wir, komplexe Management-Aufgaben „zwischendurch“ zu erledigen. Man setzt sich hohe Ziele, möchte den Wünschen der Community gerecht werden und die Organisation strategisch voranbringen – doch die Realität der begrenzten Zeit fordert ihren Tribut: Wir machen Fehler
Ich mache daraus keinen Hehl: Auch ich habe Fehler gemacht, weil wichtige Entscheidungen oder Dokumentationen unter Zeitdruck zwischen beruflichen Terminen erledigt werden mussten. In einer Community, die unterstützt aber verständlicherweise eine hohe Erwartungshaltung an Transparenz hat gibt es daher auch Kritik - meist zu recht.
Schwindenden Ressourcen
Aktuell zeigt sich ein Trend, der viele Open-Source-Projekte betrifft: Posten bleiben unbesetzt, wodurch die Last auf immer weniger Schultern verteilt wird. Dies könnte zu einem gefährlichen Kreislauf führen (aktuell geht es noch) :
- Überlastung: Wenige Aktive verwalten nur noch den Mangel, statt aktiv zu gestalten.
- Unzufriedenheit: Die Community spürt die Verzögerungen und mangelnde Präsenz, was den Druck auf das Board erhöht.
- Nachwuchsmangel: Die steigende Kritik und die enorme Arbeitslast schrecken potenzielle neue Ehrenamtliche ab.
Die Anforderungen haben sich verändert.
Open-Source-Projekte sind längst keine kleinen Gemeinschaftsinitiativen mehr. Viele haben sich in den vergangenen Jahren zu leistungsfähigen Systemen entwickelt. Ein Beispiel dafür ist Joomla. Mit dem Wachstum solcher Projekte verändern sich jedoch auch die Anforderungen. Open-Source-Software wird zunehmend professionell entwickelt, betrieben und strategisch weitergedacht. Themen wie nachhaltige Finanzierung, transparente Governance, klare Entscheidungsstrukturen und langfristige Stabilität rücken immer stärker in den Mittelpunkt.
Auch die IT-Welt hat sich gewandelt: User und Anwender erwarten Verlässlichkeit, Sicherheitsstandards, Planbarkeit und professionelle Release-Prozesse. Open-Source-Projekte müssen daher Strukturen schaffen, die diesen Erwartungen gerecht werden, ohne ihre offenen und gemeinschaftlichen Werte zu verlieren. Wenn Open-Source langfristig erfolgreich bleiben soll, braucht es Weiterentwicklung nicht nur im Code, sondern auch in Organisation, Kommunikation und strategischer Ausrichtung. Joomla zeigt exemplarisch, wie stark sich Projekte entwickeln können – und wie wichtig es ist, die Rahmenbedingungen kontinuierlich anzupassen, um zukunftsfähig zu bleiben.
Um Joomla! oder ander Systeme langfristig zu erhalten muss es gelingen:
1. Verantwortung auf mehr Schultern zu verteilen
Es braucht mehr Rollen in den Verwaltungseinheiten(im Board): Es gibt verdammt viel zu tun. Aufgaben müssen in klar definierte Pakete zerlegt werden, die auch nebenberuflich bewältigt werden können, ohne dass Qualität oder strategische Steuerung leiden. Nur so lässt sich verhindern, dass Ehrenamtliche überlastet werden und das Projekt in Verwaltung erstarrt.
2. Sichtbarkeit der Organisation
Transparenz ist ein zentraler Faktor für Vertrauen – sie erfordert jedoch Zeit, Engagement und kontinuierliche Kommunikation. Entscheidungen, Prozesse und Verantwortlichkeiten müssen nachvollziehbar und verständlich dargestellt werden. Nur so kann die Community erkennen, wie und warum bestimmte Beschlüsse gefasst werden und wer wofür zuständig ist. Aber Transparenz kostet Zeit.
3. Bezahlte Rollen?
Es wurde schon viel darüber gesprochen. Vielleicht ist es an der Zeit, das Tabu zu brechen: Große Open-Source-Projekte brauchen professionelle, bezahlte Menschen, die Führung übernehmen. In vielen Open Source Projekten ist das schon lange Fall.
Sei es für administrative Kernaufgaben, strategische Koordination oder Finanzmanagement – bezahlte Rollen verhindern Überlastung, sichern Kontinuität und schaffen nachhaltige Führung. Führung darf kein Burnout-Risiko sein.
Joomla! ist gewachsen und die Welt um uns herum hat sich verändert. Ehrenamt allein reicht vielleicht nicht mehr aus, um Stabilität, Transparenz und langfristige Weiterentwicklung zu sichern. Um das Projekt zu erhalten, müssen wir Verantwortung verteilen, die Organisation sichtbar machen und vielleicht das Tabu bezahlter Rollen brechen.
Ich weiß, dass das ein heikles Thema für die Community ist. Aber vielleicht sollten wir mal wieder darüber diskutieren?