Google Platform Properties: Warum LinkedIn und Mastodon fehlen und was das über die Zukunft des Web verrät
Google hat die Search Console erweitert. Mit den sogenannten Platform Properties können Creator erstmals Impressionen und Klicks ihrer Social-Media-Profile direkt in der Search Console auswerten. Eine eigene Website brauchen sie dafür nicht mehr. Zum Start unterstützt Google allerdings nur vier Netzwerke: YouTube, TikTok, Instagram und X. LinkedIn und Mastodon fehlen. Dieses Angebot passt nun ganz hervorragend in Googles langfristige Strategie, denn Google löst sich von der Vorstellung, dass jede digitale Präsenz zwingend eine klassische Unternehmenswebsite braucht. Lassen Sie mich erklären, was dahinter stecken könnte.

Google beschreibt schon seit Jahren in verschiedenen Patenten, wie sich Informationen aus unterschiedlichen Quellen zu einer dynamischen Landing Page zusammenführen lassen. Das Ziel: Nutzer sollen die relevanten Informationen so schnell wie möglich bekommen. Ob diese Informationen von einer Unternehmenswebsite stammen, von einem Social-Media-Profil oder einer Plattform, spielt dabei keine Rolle.
Beim Google Business Profile lässt sich diese Entwicklung seit Jahren beobachten. Für viele lokale Unternehmen ist das Unternehmensprofil heute wichtiger als die eigene Homepage. Öffnungszeiten, Bewertungen, Fotos, Beiträge, Reservierungen, Anrufe: All das findet direkt innerhalb der Google-Oberfläche statt. Der Nutzer verlässt Google oft gar nicht mehr.
Die Platform Properties führen diese Strategie konsequent fort. Creator und Marken bekommen erstmals Suchdaten für ihre Plattformprofile direkt in die Search Console. Im Klartext bedeutet das: Google erkennt offiziell an, dass eine digitale Präsenz heute auch vollständig innerhalb externer Plattformen stattfinden kann.
Bleibt die Frage, warum ausgerechnet LinkedIn und Mastodon fehlen. Dafür gibt es drei Gründe.
Grund 1: Relevanz in den Suchergebnissen
Google integriert Social-Media-Inhalte vor allem dann prominent in die Suche oder in Google Discover, wenn sie breite Suchintentionen oder visuelle Trends bedienen.
YouTube, TikTok und Instagram prägen heute das Video- und Creator-Ökosystem. X hat wegen seiner Echtzeitinformationen weiterhin eine besondere Rolle bei Nachrichten und aktuellen Ereignissen.
LinkedIn dagegen ist in erster Linie ein B2B-Netzwerk mit fachlichen Inhalten. Für die allgemeine Websuche spielen diese Inhalte eine deutlich geringere Rolle. Und Mastodon bleibt mit seiner vergleichsweise kleinen Nutzerbasis ein Nischennetzwerk.
Grund 2: Creator statt klassische Unternehmen
Die Platform Properties richten sich bewusst an Creator, Influencer und Publisher. Also an Menschen, die ihre gesamte Reichweite auf Plattformen aufbauen.
Noch vor wenigen Jahren galt eine Unternehmenswebsite als unverzichtbare digitale Zentrale. Google signalisiert inzwischen etwas anderes. Entscheidend ist nicht mehr, wo Inhalte veröffentlicht werden. Entscheidend ist, ob sie für Nutzer relevant sind und in den Google-Ökosystemen sichtbar werden.
Konkret bedeutet das: Für viele Unternehmen übernehmen heute schon Google Business Profile, YouTube-Kanäle, Instagram-Accounts oder TikTok-Profile einen erheblichen Teil der klassischen Website-Funktionen.
Grund 3: Technische Hürden und Walled Gardens
Für eine Integration in die Search Console braucht Google zwei Dinge: eine zuverlässige technische Verifizierung und einen stabilen Datenaustausch.
LinkedIn gilt seit Jahren als stark abgeschotteter Walled Garden und erlaubt nur begrenzte externe API-Zugriffe. Eine tiefe Integration ist dadurch deutlich schwieriger.
Mastodon steht vor einem anderen Problem. Das Fediverse besteht aus tausenden unabhängigen Instanzen ohne zentrale Infrastruktur. Stellen Sie sich vor, Google müsste eine standardisierte Verifizierung über sämtliche Server hinweg aufbauen. Bei zentral organisierten Plattformen ist das ein überschaubarer Aufwand. Im Fediverse wird daraus eine Mammutaufgabe.
Der größere Strategiewechsel
Hier laufen alle Fäden zusammen. Die Einführung der Platform Properties passt zu einer Entwicklung, die sich seit Jahren beobachten lässt:
- Das Google Business Profile ersetzt bei vielen lokalen Unternehmen bereits einen großen Teil der klassischen Unternehmenswebsite.
- KI-generierte Suchergebnisse liefern Antworten direkt innerhalb der Google-Suche.
- Social-Media-Inhalte erscheinen zunehmend direkt in den Suchergebnissen.
- Platform Properties machen erstmals Plattformprofile selbst zu messbaren Suchobjekten.
Damit verändert sich die Rolle der Website grundlegend. Sie ist nicht mehr zwangsläufig der zentrale Einstiegspunkt für Kunden. Sie ist nur noch eine von mehreren möglichen digitalen Präsenzen.
Aber diese Entwicklung hat eine Kehrseite. Wer seine digitale Präsenz vollständig auf Plattformen verlagert, gibt die Kontrolle über seine eigenen Inhalte aus der Hand. Die Macht über Informationen sammelt sich damit bei einer Handvoll Big-Tech-Konzerne. Google entscheidet, welche Inhalte sichtbar werden, welche Daten Sie zu sehen bekommen und zu welchen Bedingungen. Ändert die Plattform ihre Regeln, ihren Algorithmus oder ihre Preise, bleibt Ihnen nur zuzuschauen. Die eigene Website ist dagegen der einzige Ort im Netz, der wirklich Ihnen gehört.
Digitale Souveränität bekommt man nicht geschenkt. Man muss sie sich bewahren.
Die Bedrohung für das offene Web wird größer?
Aber die eigentliche Botschaft ist eine andere. Die spannende Frage lautet nicht, warum LinkedIn oder Mastodon fehlen. Google entwickelt sich von einer Suchmaschine für Websites zu einer Such- und Entdeckungsplattform für digitale Identitäten. Und diese Identitäten liegen immer seltener auf einer eigenen Domain. Sie liegen auf Plattformen, die den großen Tech-Konzernen gehören. Was dort sichtbar wird, entscheiden nicht mehr die Inhalteanbieter selbst. Das entscheiden die Plattformen. Das offene Web verliert damit ein Stück weit seine Grundidee: Inhalte, die verteilt sind, unabhängig und für alle erreichbar.